Verworrenes Familiennetz

Einen guten Tag Welt,

nun sitze ich hier und blicke zum Fenster. Mein Blick schweift auf eine nahezu durch und durch grüne Landschaft, deren Blütenpracht selbst in diesem Monat nochmal einen glanzvollen Auftritt zum Besten gibt. Ja, dieser Ort scheint perfekt: harmonisch, behütet, sicher und voller Freude! Wieso gelingt es mir einfach nicht genau diese Eigenschaften auf mein eigenes Zuhause zu projizieren und zu empfinden? Oftmals kommt mir mein Zuhause wie ein Ort des Grauens vor. Ich verbinde nichts Positives damit. Lediglich Wut, Aggressionen und die fast täglich sinkende Wertschätzung eines Mannes, der eigentlich eine Vorbildsfunktion übernehmen sollte. All jene Dinge führten zu einer genervten Grundhaltung, die sich mit Ironie und Sarkasmus paarte, um der oftmals primitiven Denkweise eines sich pubertär verhaltenden Mannes zu trotzen! 

Bereits vor einigen Jahren fand ein Rollentausch statt (fast wie in Freaky Friday), der bis heute standhält. Schon früh musste ich lernen Verantwortung zu übernehmen und das weniger für mich selbst als für andere. Anstatt mich als Tochter zu behandeln, wurde ich als ebenbürtig betrachtet und mit dem emotionalen Ballast meiner Eltern belastet. Aufgrund der heute zugegeben sehr schlechten Entscheidung bei meinem Vater zu bleiben, wurde ich stark von ihm beeinflusst und habe seine Denkweise angenommen, obwohl diese vorher noch nicht vorbelastet war. Negative Ansicht und Behandlung meines zweiten Elternteils durch mich waren die Konsequenz und führten zu einer Entfremdung meiner Mutter, die bis heute noch nicht ganz abgeklungen ist und es wohl auch nie sein wird (leider).

Nun ja, dieses Verhältnis zwischen meinem Vater und mir war nie von Leichtigkeit geprägt: immer wieder entstanden Vorwürfe, die oftmals sehr belastend für mich waren und mich seit Anfang 2009 dazu brachten ihn nur noch als Belästigung wahrzunehmen. Diese Person, für die monetäre Werte mehr zählen als emotionale, hat mir nichts mit auf meinen Lebensweg gegeben... nichts außer der Tatsache, dass mein eingeschlagener Weg durch seine Augen betrachtet als unbedeutend zu sehen ist. Ich kann und will heute nicht so tun als wären all jene Worte nie gefallen... das kann ich schlicht und ergreifend nicht. Mögen es andere als nachtragend und nicht zum Vergessen fähig sein einstufen: diese Abwertung meiner Person hat mich sehr verletzt und deswegen bin ich umso glücklicher, dass ich an diesem Punkt stehe, an dem ich heute bin: mit Abitur, einer gut abgeschlossenen Ausbildung und dem fast erreichten akademischen Grad innerhalb kürzester Zeit. Mit Freunden, auf die ich mich verlassen kann und einem Partner, der es jeden Tag aufs Neue schafft mir ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern und der an meiner Seite bleiben wird. 

Ja, hör gut zu lieber Vater: es gibt sie die glücklichen Familien, in denen Harmonie und Rückhalt nicht als Mangelware gelten! Es soll Menschen geben, die sich anstrengen genau solche Werte aufrechtzuerhalten, denn genau das ist es doch, was das Leben ausmacht: das Streben nach Glückseligkeit. Ich blicke auf dich und sehe einen armen alten Mann, der diesen eben beschriebenen Zustand wohl nicht mehr in diesem Leben erreichen wird... aber das ist in 2 Wochen und eigentlich schon fast jetzt nicht mehr mein Problem! Du bist es, der für sein Leben verantwortlich ist und niemand sonst... bekomm es auf die Reihe! 

1.8.10 16:49

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